Amalgamfüllungen entfernen: wann es sinnvoll ist und wie es abläuft
Seit dem 1. Januar 2025 darf Amalgam in der EU nur noch in Ausnahmefällen für neue Füllungen verwendet werden. Viele Menschen haben aber noch alte, silbergraue Füllungen im Mund. Hier lesen Sie, was das Verbot bedeutet, wann ein Austausch sinnvoll ist und worauf es beim Entfernen ankommt.
Das EU-Verbot betrifft neue Füllungen, nicht vorhandene. Eine dichte, intakte Amalgamfüllung ohne Karies muss nicht entfernt werden, das raten auch Behörden wie die US-Arzneimittelbehörde FDA. Sinnvoll ist ein Austausch bei Karies, Brüchen, undichten Rändern, einer nachgewiesenen Allergie oder Schleimhautveränderungen direkt an der Füllung, oder wenn ohnehin eine Krone oder ein Inlay geplant ist. Beim Entfernen sollte mit Wasserkühlung, starker Absaugung und möglichst mit Kofferdam gearbeitet werden.
Amalgam war über viele Jahrzehnte das Standardmaterial für Füllungen im Seitenzahnbereich. Es ist haltbar, einfach zu verarbeiten und günstig. Wer heute über 50 ist, hat sehr wahrscheinlich noch mindestens eine dieser silbergrauen Füllungen. Seit die EU Amalgam für neue Füllungen weitgehend verboten hat, fragen sich viele: Muss das jetzt alles raus?
Die kurze Antwort lautet nein. Die längere Antwort hängt vom Zustand jeder einzelnen Füllung ab. In diesem Artikel erklären wir, was das Verbot tatsächlich regelt, wann ein Austausch medizinisch sinnvoll ist, wann eher nicht, und wie eine Amalgamfüllung schonend entfernt wird.

Was ist Amalgam?
Dentalamalgam ist eine Mischung aus flüssigem Quecksilber und einem Pulver aus Silber, Zinn und Kupfer. Etwa die Hälfte des Materials ist Quecksilber. Im ausgehärteten Zustand ist es fest gebunden, doch in kleinen Mengen wird Quecksilberdampf frei, mehr bei frischen Füllungen, beim Knirschen, beim Kauen von Kaugummi und vor allem beim Ausbohren.
Die US-Arzneimittelbehörde FDA fasst den Stand so zusammen: Studien an Menschen mit Amalgamfüllungen zeigen keine schlüssigen Belege, dass Amalgam in der allgemeinen Bevölkerung gesundheitliche Schäden verursacht. Bestimmte Gruppen könnten aber empfindlicher sein, darunter Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch, Stillende, kleine Kinder, Menschen mit Quecksilberallergie sowie Menschen mit neurologischen Erkrankungen oder eingeschränkter Nierenfunktion. Eine aktuelle systematische Übersicht kommt zu dem Schluss, dass sowohl Amalgam als auch andere Füllungsmaterialien mit gesundheitlichen Effekten in Verbindung gebracht wurden, die Datenlage für direkte Vergleiche aber dünn ist.

Was das EU-Verbot regelt
Die EU hat den Ausstieg aus Amalgam in zwei Schritten geregelt:
- Seit dem 1. Juli 2018 darf Amalgam nicht mehr für Milchzähne, für Kinder unter 15 Jahren sowie für Schwangere und Stillende verwendet werden, außer der Zahnarzt hält es aus medizinischen Gründen für zwingend notwendig (Verordnung (EU) 2017/852).
- Seit dem 1. Januar 2025 darf Amalgam in der EU grundsätzlich nicht mehr für zahnärztliche Behandlungen verwendet werden. Ausnahme: Der Zahnarzt hält es wegen besonderer medizinischer Erfordernisse beim jeweiligen Patienten für zwingend notwendig. Mitgliedstaaten, in denen Amalgam das einzige zu mindestens 90 Prozent öffentlich erstattete Material war, durften unter Bedingungen eine Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2026 nutzen (Verordnung (EU) 2024/1849).
- Die Ausfuhr von Amalgam aus der EU ist seit dem 1. Januar 2025 verboten, Einfuhr und Herstellung seit dem 1. Juli 2026, mit einer Ausnahme für die genannten medizinischen Fälle.
Begründet wird das Verbot vor allem mit dem Umweltschutz: Quecksilber soll aus dem Kreislauf verschwinden, und quecksilberfreie Alternativen gelten inzwischen als technisch und wirtschaftlich machbar. Eine Pflicht, vorhandene Füllungen zu entfernen, enthält die Verordnung nicht.
Die Türkei ist kein Mitglied der EU, die EU-Verordnung gilt dort nicht unmittelbar. Fragen Sie bei einer Behandlung im Ausland deshalb ausdrücklich, welches Material für neue Füllungen verwendet wird.
Wann ein Austausch sinnvoll ist
Medizinisch gute Gründe, eine Amalgamfüllung zu ersetzen, sind:
- Karies unter oder neben der Füllung
- Brüche der Füllung oder ein abgebrochener Höcker am Zahn
- undichte Ränder, an denen sich Beläge festsetzen
- Risse im Zahn, die von großen Füllungen ausgehen können
- eine nachgewiesene Allergie gegen Bestandteile des Amalgams
- Schleimhautveränderungen direkt an der Füllung, sogenannte lichenoide Läsionen: Eine systematische Übersicht fand, dass sie sich nach dem Austausch häufig besserten oder abheilten, am deutlichsten, wenn die Veränderung direkten Kontakt zur Füllung hatte
- ohnehin geplanter Zahnersatz, etwa eine Krone auf dem Zahn
Aus optischen Gründen eine dunkle Füllung im sichtbaren Bereich zu ersetzen, ist ein verständlicher Wunsch, aber eine ästhetische Entscheidung. Allgemeine Hinweise, wann Füllungen erneuert werden sollten, finden Sie im Artikel Füllung erneuern: wann?
Wann eher nicht
Die FDA rät ausdrücklich davon ab, intakte Amalgamfüllungen ohne Karies vorsorglich zu entfernen, und zwar auch bei Menschen aus den empfindlicheren Gruppen. Zwei Gründe nennt die Behörde: Beim Entfernen geht gesunde Zahnsubstanz verloren, und das Ausbohren setzt kurzfristig mehr Quecksilberdampf frei, als die ruhende Füllung abgibt.
Für ältere Patienten kommt ein praktischer Punkt hinzu: Eine Amalgamfüllung, die seit 30 Jahren dicht ist, hat sich bewährt. Jeder Austausch macht die Kavität etwas größer und den Restzahn etwas dünner. Bei sehr großen alten Füllungen kann ein Austausch dazu führen, dass der Zahn am Ende eine Krone braucht oder in seltenen Fällen eine Wurzelbehandlung. Das sollte man vorher wissen und gegen den Nutzen abwägen.
Vorsicht bei Versprechen, ein Amalgamaustausch heile Müdigkeit, Kopfschmerzen, Rheuma oder andere allgemeine Beschwerden. Dafür gibt es keine gesicherten Belege. Wer solche Beschwerden hat, sollte sie ärztlich abklären lassen, damit keine behandelbare Ursache übersehen wird. Eine Zweitmeinung zu einem umfangreichen Austauschplan kann sinnvoll sein, siehe Zweitmeinung in Deutschland.
Wie Amalgam schonend entfernt wird
Ziel ist, den Quecksilberdampf und die Partikel möglichst gering zu halten und so wenig gesunden Zahn wie möglich zu opfern. Übliche Schutzmaßnahmen sind:
- Kofferdam: ein Gummituch, das den Zahn isoliert, damit Partikel nicht in den Mund gelangen.
- starke Absaugung direkt am Zahn und reichlich Wasserkühlung, damit sich das Amalgam nicht erhitzt.
- Herausschneiden in Stücken statt vollständigem Zermahlen der Füllung.
- Auf Wunsch Schutzbrille und Abdeckung für Sie.
- In der Praxis sammeln Amalgamabscheider die Partikel aus dem Abwasser. In der EU sind sie vorgeschrieben.
Meist werden nicht alle Füllungen an einem Tag entfernt, sondern ein Quadrant oder wenige Zähne pro Sitzung. Fragen Sie vor Beginn, welche Maßnahmen die Klinik verwendet.
Was danach in den Zahn kommt
Welche Lösung passt, zeigt sich oft erst, wenn das Amalgam draußen ist und man sieht, wie viel stabiler Zahn übrig ist:
| Ausgangslage | Häufige Lösung |
|---|---|
| kleine bis mittlere Füllung | Kunststofffüllung (Komposit) |
| große Füllung, Höcker noch stabil | Inlay oder Onlay aus Keramik |
| Höcker gebrochen oder Zahn stark geschwächt | Onlay mit Höckerschutz oder Krone |
Unter alten Amalgamfüllungen ist das Zahnbein oft dunkel verfärbt. Das ist nicht immer Karies. Ihr Zahnarzt entscheidet, was entfernt werden muss. Nach dem Austausch können die Zähne einige Tage empfindlich sein. Mehr zu Kronen lesen Sie unter Wann braucht man eine Krone? und Kronen und Veneers erklärt.
Wie wir bei Precious Dental damit umgehen
Wir sind eine Zahnklinik in Antalya und profitieren, wenn Sie sich für uns entscheiden. Wir sehen einen Amalgamaustausch nicht als Pauschalpaket, sondern prüfen jede Füllung einzeln. Intakte Füllungen empfehlen wir nicht zu entfernen, nur weil sie aus Amalgam sind. Wenn ohnehin Kronen oder Inlays an diesen Zähnen geplant sind, entfernen wir das Amalgam im Rahmen dieser Behandlung.
Für den Austausch nennen wir keinen Pauschalpreis, weil Zahl, Größe und neues Material sehr verschieden sind: Preis auf Anfrage – kostenloser Behandlungsplan. Fragen zu Ablauf und Schutzmaßnahmen beantwortet Öndi, unser deutschsprachiger Patientenkoordinator, kostenlos unter +90 539 704 50 01.
Häufige Fragen
Muss ich meine Amalgamfüllungen wegen des EU-Verbots entfernen lassen?
Nein. Die Verordnung (EU) 2024/1849 regelt die Verwendung von Amalgam für neue Behandlungen. Sie verlangt nicht, vorhandene Füllungen zu entfernen. Ob eine alte Füllung ausgetauscht wird, hängt von ihrem Zustand ab.
Macht Amalgam krank?
Für die allgemeine Bevölkerung zeigen Studien nach Einschätzung der FDA keine schlüssigen Belege für gesundheitliche Schäden durch Amalgamfüllungen. Für bestimmte Gruppen, etwa Schwangere, Stillende, kleine Kinder und Menschen mit Nierenerkrankungen oder einer Quecksilberallergie, wird zu mehr Vorsicht geraten. Bei Beschwerden, die Sie auf Amalgam zurückführen, sprechen Sie bitte zuerst mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
Ist das Entfernen von Amalgam gefährlich?
Beim Ausbohren wird kurzzeitig mehr Quecksilberdampf frei. Deshalb wird mit Wasserkühlung, starker Absaugung und möglichst mit einem Gummituch (Kofferdam) gearbeitet. Gerade weil das Entfernen selbst eine Belastung ist, rät man davon ab, intakte Füllungen ohne Grund zu entfernen.
Was kommt nach dem Amalgam in den Zahn?
Meist eine Kunststofffüllung (Komposit). Bei großen Defekten ist ein Inlay oder Onlay aus Keramik oder eine Krone oft stabiler. Das entscheidet der Zahnarzt nach dem Entfernen, wenn er sieht, wie viel gesunder Zahn übrig ist.
Was kostet der Amalgamaustausch bei Ihnen?
Dafür nennen wir keinen Pauschalpreis, weil Zahl und Größe der Füllungen und das neue Material sehr verschieden sind: Preis auf Anfrage – kostenloser Behandlungsplan.
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1849, Art. 1 (Änderung von Art. 10 der Quecksilberverordnung), deutscher Text
- Verordnung (EU) 2024/1849 vom 13. Juni 2024, ABl. L 2024/1849 vom 10.07.2024, Volltext
- Verordnung (EU) 2017/852, Art. 10 (Dentalamalgam), deutscher Text
- U.S. Food and Drug Administration: Information for Patients About Dental Amalgam Fillings
- Issa et al. (2004), Oral Surg Oral Med Oral Pathol: Abheilung lichenoider Schleimhautveränderungen nach Amalgamaustausch, systematische Übersicht
- Shaw et al. (2026), J Dent: Gesundheitliche Auswirkungen von Amalgam und Alternativen, systematische Übersicht
Geprüft im Oktober 2026. Wo wir als Klinik unsere eigene Sicht wiedergeben, sagen wir das.
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Fragen auf Deutsch? Öndi, Patientenkoordinator unserer Klinik, antwortet kostenlos. WhatsApp +90 539 704 50 01